Die Augen des Engels
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Schon der Titel verweist mit seiner Anlehnung an die Berichterstattung der Boulevardmedien auf ein Verbrechen, das die Welt lange Zeit in Atem hielt: den Mordfall Meredith Kercher, die 2007 im italienischen Perugia unter grausamen Umständen ums Leben kam. Als Mittäterin geriet schnell die Amerikanerin Amanda Knox – von der Presse „Engel mit den Eisaugen“ getauft – ins Visier der Ermittler. Erst 2015 durfte sich die junge Frau nach diversen Urteilen über einen letztinstanzlichen Freispruch freuen. Rückhaltlos aufgeklärt sind die Ereignisse bis heute nicht. In „Die Augen des Engels“ greift Regisseur Michael Winterbottom (Road to Guantanamo, The Look of Love) den viel diskutierten Kriminalfall auf, ändert dabei allerdings Orts- und Personennamen ab: Protagonist ist der beruflich und privat festgefahrene Regisseur Thomas Lang, der den Mord an einer britischen Studentin in Siena aufarbeiten will und dafür an die Journalistin Simone Ford herantritt. Bei seinen Recherchen schlittert der Filmemacher mehr und mehr in eine Sinnkrise, die ihn um den Verstand zu bringen droht.
Wer hier auf einen reißerischen Tatsachenthriller hofft, wird schnell enttäuscht, da Winterbottom nicht an einer billigen Ausschlachtung des Stoffes interessiert ist. Auch wenn die Fakten und die Chronologie des Verbrechens stets präsent sind, dienen sie im Grunde nur als Folie für ein Psychodrama, das sich mit unterschiedlichen Aspekten auseinandersetzt. Ein großes Thema ist das Verhalten der Medienvertreter, die wie ein Schwarm Raubvögel über das beschauliche Siena herfallen und schnell eine eigene Subkultur bilden. Spekulationen, blutige Details und Theorien vermischen sich, sodass Wahrheit und Fiktion nur noch schwer zu trennen sind. Was Thomas wiederum große Kopfschmerzen bereitet, weil er partout keinen geeigneten Zugang zum Filmmaterial finden kann. Von seinen Produzenten wird er jedoch dazu gedrängt, eine klare Richtung einzuschlagen. Gerade vor diesem Hintergrund weitet sich „Die Augen des Engels“ zu einer Reflexion über das Geschichtenerzählen an sich und die Lust des Zuschauers an Mord und Totschlag aus. Atmosphärisch nimmt Winterbottom Bezug auf den Horrorklassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, indem er das verwinkelte Siena zunehmend als düsteren Seelenspiegel der verwirrten Hauptfigur inszeniert. Bei aller Freude über zahlreiche reizvolle Ansätze ist nicht zu übersehen, dass die Macher den Film an manchen Stellen überfrachten. So kann die Einbindung von Dantes „Göttlicher Komödie“ nicht richtig überzeugen. Und auch die Verbeugung vor der Opferfamilie zum Ende hin erscheint ein wenig aufgepfropft. Wer Ambivalenzen und selbstreflexive Fragestellungen aushalten kann, dürfte die eigenwillig-sperrige Aufarbeitung dennoch spannend finden.
Blu-ray-Bildformat:1:2,40/1080p
Ton:dts HD 5.1 MA
Sprachen: Deutsch dts HD 5.1 MA/Englisch dts HD 5.1 MA
Untertitel: Deutsch/Dt. f. Hörg.
DVD Extras: B-Roll, Interviews, Trailer
Blu-ray Extras: B-Roll, Interviews, Trailer
Christopher Diekhaus
Weitere Angaben
Filmtyp: Farbe
DVD-Bildformat: 1:2,40/16:9
Ton: Dolby Digital 5.1/dt
Sprachen: Deutsch dts 5.1/Deutsch DD 5.1/Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch/Dt. f. Hörg.
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